Roman Weishäupl beim Vibe Coding – die neue Speaker-Website entsteht am Laptop
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Vom Videorekorder zu Vibe Coding: Was habe ich mit 47 angefangen – und was fange ich mit 57 an?

Der Moment vor dem blinkenden Display

Samstagabend in den 90ern. Der neue Videorekorder steht im Wohnzimmer. Meine Eltern schauen auf das Display – blinkende Zahlen, kryptische Zeichen.

Nichts funktioniert.

Dann schauen sie mich an:
„Kannst du das einstellen?"

Damals war das für mich selbstverständlich. Ich habe nicht darüber nachgedacht, ob ich das kann. Ich habe es einfach ausprobiert.

Einfach machen statt verstehen müssen

Anleitungen habe ich nie gelesen. Ich habe neue Geräte ausgepackt und ausprobiert. Einfach losgelegt.

Dann kam der erste Atari, der erste 486er, Nadeldrucker und Laserdrucker. Das Internet mit 56K-Modem, später ISDN. Die ersten Handys, der Palm, dann Smartphones. Ich habe das alles nicht geplant. Ich bin einfach mitgegangen.

Und jetzt bin ich so alt wie meine Eltern damals. Und vor mir steht wieder so ein Moment.

Diesmal heißt er: Vibe Coding.

Programmieren war für mich nie ein Thema. Außer ein bisschen QBasic in der Schule habe ich nie Code geschrieben. Und trotzdem sitze ich heute hier und baue Dinge.

„Ich habe nie gelernt zu programmieren. Ich habe gelernt, anzufangen."

Digital Explorer: Eine Frage der Haltung

Ich glaube, genau hier liegt der Unterschied. Es gibt eine Generation, die analog aufgewachsen ist und sich trotzdem immer wieder entschieden hat, neue Technologien auszuprobieren. Nicht perfekt, nicht strukturiert, aber mit Neugier.

Ich nenne sie Digital Explorer – Menschen, die nicht aufhören, Neues auszuprobieren.

„Nicht das Alter entscheidet. Sondern die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen."

Es ist keine Frage von Talent oder Ausbildung. Es ist eine Frage der Haltung. Die Bereitschaft, sich auf etwas einzulassen, das man noch nicht vollständig versteht, und trotzdem anzufangen.

Was passiert, wenn man es einfach ausprobiert

Vor ein paar Tagen habe ich genau das gemacht. Ich habe mit Vibe Coding angefangen. Ohne großen Plan, sondern Schritt für Schritt. Ausprobieren, anpassen, weitergehen.

Ich habe meine komplette Speaker-Website neu gebaut. Allein. Ohne Designer, ohne Entwickler, ohne klassische Programmierung. Und das in drei Tagen.

Screenshot der Vibe Coding Session – Roman Weishäupl baut die Speaker-Website mit KI-Unterstützung
So sieht Vibe Coding in der Praxis aus – iterativ, direkt, ohne Umwege.

Parallel habe ich auch meinen Blog neu aufgesetzt und direkt in die Website integriert. Tschüss WordPress.

Und trotzdem ist eine Seite entstanden, die zweisprachig funktioniert, barrierearm aufgebaut ist, suchmaschinenoptimiert arbeitet und sich jederzeit anpassen lässt. Analytics ist integriert, rechtliche Themen sind geprüft.

Das Entscheidende daran ist nicht die Technik. Es ist das Gefühl danach. Ich habe die Kontrolle, ich verstehe die Zusammenhänge, und ich kann jederzeit etwas verändern.

„Geschwindigkeit entsteht nicht durch mehr Ressourcen. Sondern durch weniger Abhängigkeiten."
„Wer selbst baut, verändert nicht nur das Ergebnis. Sondern die eigene Perspektive."

Was Organisationen daraus lernen können

Was für mich im Kleinen funktioniert, ist im Großen noch spannender. Viele Organisationen versuchen, neue Technologien so zu managen, wie sie es gewohnt sind: mit klaren Plänen, strukturierten Prozessen und einem hohen Anspruch an Vorhersagbarkeit. Doch genau hier entsteht gerade ein Bruch.

Die Entwicklung rund um KI ist so dynamisch, dass klassische Planungsansätze an ihre Grenzen kommen. Was heute sinnvoll erscheint, kann morgen bereits überholt sein. Ein linearer Ansatz verliert in diesem Umfeld an Wirksamkeit, weil sich die Rahmenbedingungen permanent verändern.

Was stattdessen an Bedeutung gewinnt, ist ein iteratives Vorgehen. Ausprobieren, lernen, anpassen. Nicht als theoretisches Modell, sondern als gelebte Praxis im Alltag.

Gleichzeitig wird deutlich, dass Organisationen diesen Wandel nicht allein über neue Rollen oder externe Expertise lösen können. Für jede neue Entwicklung Spezialisten einzukaufen, ist weder skalierbar noch nachhaltig.

Die eigentliche Stärke liegt in Menschen, die bereit sind, sich auf Neues einzulassen, die ausprobieren, die Fragen stellen und Dinge selbst in die Hand nehmen. Genau hier entstehen die Digital Explorer innerhalb von Organisationen.

Damit das funktioniert, braucht es jedoch einen klaren Rahmen. Experimentieren darf nicht bedeuten, unkontrolliert zu arbeiten oder Risiken einzugehen, die das Unternehmen gefährden. Gerade beim Einsatz von KI spielen Themen wie Datensicherheit, Verantwortung und Transparenz eine zentrale Rolle.

Die Aufgabe von Organisationen verschiebt sich damit. Weg von der vollständigen Kontrolle einzelner Schritte, hin zur Gestaltung eines Umfelds, das Orientierung gibt und gleichzeitig Raum für Exploration lässt.

Am Ende geht es nicht nur um Technologie. Es geht um einen kulturellen Wandel. Weg von der Vorstellung, dass Innovation von außen kommt oder nur von wenigen Spezialisten getragen wird. Hin zu einer Organisation, in der viele anfangen, selbst zu gestalten.

Zurück zum Videorekorder

Wenn ich heute an diesen Abend im Wohnzimmer denke, sehe ich ihn anders. Es ging nie wirklich um den Videorekorder. Es ging um die Entscheidung, sich auf etwas Neues einzulassen – oder eben nicht.

Meine Eltern haben damals entschieden, dass es zu kompliziert ist. Ich habe mich heute anders entschieden.

Die eigentliche Einladung

Wir stehen wieder an so einem Punkt. Neue Technologien sind da, und sie werden bleiben. Die Frage ist nicht, ob man alles sofort versteht.

Die Frage ist, ob man anfängt.

„Die Zukunft gehört nicht denen, die alles verstehen. Sondern denen, die anfangen."

Ich habe mit 47 Vibe Coding angefangen. Nicht, weil ich musste. Sondern weil ich wissen wollte, was möglich ist.

Und ehrlich gesagt: Ich habe keine Ahnung, was ich mit 57 anfangen werde. Aber ich weiß, dass ich anfangen werde.

Wenn du herausfinden willst, wie du diesen Einstieg für dich gestalten kannst oder wie sich so ein Ansatz in deinem Umfeld umsetzen lässt, dann lass uns sprechen.